zum 1. Sonntag nach Trinitatis, 14. Juni

Ein Impuls zum Monatsspruch für Juni von Pfarrerin Ursula Borchert

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder (1. Könige 8,39)

Es ist fast Mitte des Monats. Einige Tage Urlaub liegen hinter mir. Begonnen haben sie Ende Mai und zu Ende waren sie in den ersten Junitagen. Mir fällt auf, dass ich in dieser Zeit den Monatsspruch für diesen 6. Monat im Jahr noch gar nicht richtig wahrgenommen habe und ich schaue nach und schlage die Bibelstelle im Alten Testament auf.

Und dann fällt er mir in den Blick:

„Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder“.

Es sind nur wenige Worte, die zu einem Gebet des Königs Salomo gehören,
das im 1. Buch der Könige überliefert ist.
Es wird erzählt, dass es Salomo dies im Zusammenhang der Einweihung des Tempels gesprochen habe.

„Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder“.

Was, so geht es mir durch den Sinn,
ist in den Herzen aller Menschenkinder wohl aufgehoben –
damals bis zu uns heute?

Was sind die Schätze in den Herzen aller Menschenkinder –
damals bis zu uns heute?

Was ist darin verborgen oder geborgen?

Ich versuche Antworten zu finden –
für mich selbst, für mein Herz.
Ich nehme mir ein weißes noch unbeschriebenes Blatt.
Ich krame nach einer Kiste mit Stiften in allen Farben.
Soll ich noch ein Radiergummi dazulegen?
Ich entscheide mich dagegen.

Da das Wetter schön ist, setze ich mich nach draußen,
lasse meinen Gedanken freien Lauf und wie von selbst
finden sie den Weg auf das Blatt Papier.
Rote Linien lassen Herzen entstehen –
manchmal dickwandig und manchmal nur ganz zart.

Namen von Menschen finden darin einen Platz
und mit ihnen alle Erinnerungen an längst Vergangenes
oder Erfahrungen aus dem, was mich gerade aktuell beschäftigt.
Ganz bunt und vielfältig sind sie mir vor Augen,
nachdenklich und fröhlich, traurig und hoffnungsvoll,
mit allen Fragen, die sie in mir ausgelöst haben
oder aller Sicherheit, die ich geschenkt bekomme.

Das, woran mein Herz hängt, findet seinen Platz:
Rituale, auf die ich nicht verzichten möchte,
lieb gewonnene Bilder und Gewohnheiten, die mir viel wert sind.
Sätze aus Büchern, die ich gelesen habe,
oder Momente, die ich im Leben nie vergessen möchte.

Meine Gedanken wandern zu den Tagen,
die ich immer mal wieder an der See verbringen durfte.
Von langen Spaziergängen am Strand mit vielen kleinen Fundstücken im Watt
zeugen Fotos, die ich aus dieser Zeit mitgebracht habe.
Auch daran hängt mein Herz.
Herzmuscheln sind ein häufiges Motiv.

„Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder“.

Ich blicke auf mein Bild und schaue mich um.
Wie dankbar darf ich sein für das, was in meinem Herzen aufgehoben ist.
Wie froh bin ich darüber, dass Gott es kennt.

Ich nehme mir vor, immer mal wieder so ein weißes Blatt mit Leben zu füllen
und all dem, was mein Leben ausmacht
und in meinem Herzen seinen Platz findet.

Vielleicht ist es auch für Sie eine kleine Idee –
dann, wenn Sie etwas Zeit erübrigen können,
vielleicht an einem Sonntag
oder einem anderen Tag im Laufe der Woche oder des Monats.

 

Mit Herz-lichen Grüßen
für diesen Sonntag und die Zeit, die vor uns liegt.

Gebet zu Psalm 34

Loben will ich Gott
auch wenn meine Stimme
gebeugt ist
preisen seinen Namen
Gott befreit mich
aus allen Bedrängnissen
und sein Licht schimmert in mir
eine müde Flamme manchmal
mit wenig Lust zum Leben.
Doch dann zeigt er mir das Gute
des Tages, die Freude und die
Sehnsucht nach Frieden.
Gott
befreie mein geducktes Herz
und bewahre mich
von den Übeltaten
meiner Worte.
Amen

aus: Sylvia Lutz, Gebete zu Psalmen. Ein Dialog aus der Stille, Kappel am Albis 1991, S.43 

Über das Herz

Das Herz ist
Ein bewegliches Wesen
Manchmal schlägt es bis zum Hals,
manchmal rutscht es in die Hose. 

Es gibt Menschen,
die es auf der Zunge tragen.
Andere nehmen es
in die Hand.

Das Herz ist
ein erstaunliches Organ,
man kann es verschenken
und wird dabei nicht arm,
sondern reich.

Das Herz ist
ein wundersamer Ort,
ja, wohl der einzige,
an dem man jemanden
einschließen kann,
ohne ihn einzusperren. 

aus: Tina Wilms,
Im Glauben: Zweifel – im Zweifel: Glauben,
Neukirchen-Vluyn 2019, Seite 78

Einladung zum Gebet

Guter Gott,
du erfindest das leben
und stattest es aus. 

Danke, dass du mir
ein Herz geschenkt hast.
Danke, dass ich leben darf,
dass ich fühlen und mitfühlen kann. 

Gib mir ein gutes Gedächtnis,
dass mich daran erinnert:
ich lebe nicht aus mir selbst
und nicht für mich allein. 

Öffne mir Herz und Hände,
damit ich mit anderen teile,
was du mir gibst:
Leben und Liebe,
Brot und Wein. 

aus: Tina Wilms,
Im Glauben: Zweifel – im Zweifel: Glauben,
Neukirchen-Vluyn 2019, Seite 79

zu den Impulsen der anderen Sonn- und Feiertage